Ben J. Riepe: Untitled Natura. Foto: tanzhaus nrw e. V., Ursula Kaufmann

Tanz in Nordrhein-Westfalen


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Apres-midi, Raimund Hoghe;  Artention 2009; © Agathe Poupeney

Mit seinen vielen Tanztheatern gehört Nordrhein-Westfalen zu den Zentren der Tanzkultur in Deutschland. Tanz und Ballett haben hier eine besondere Tradition, die Namen der Choreografinnen und Ensembles Strahlkraft in die ganze Welt.

An zehn Opernhäusern des Landes gibt es Ballett- und Tanzensembles. Das Ballett der Deutschen Oper am Rhein und das Tanztheater Wuppertal mit seiner 2009 verstorbenen langjährigen Leiterin Pina Bausch gehören zu den wichtigsten und international bedeutendsten. Daneben gibt es eine experimentierfreudige freie Szene: Über 100 freie Ensembles, Choreografinnen und Choreografen arbeiten in Nordrhein-Westfalen, darunter VA Wölfls Neuer Tanz und Raimund Hoghe aus Düsseldorf, Ben J. Riepe aus Düsseldorf, Stephanie Thiersch aus Köln, Cocoondance aus Bonn, Samir Akika aus Essen, das Folkwang Tanzstudio in Essen oder DIN A 13 aus Köln, eine Gruppe von gehandicapten und nicht-gehandicapten Tänzerinnen und Tänzern.
Das Land hat ein Konzept entwickelt, um dem "Tanzland NRW" einen nachhaltigen Impuls zur Profilierung der NRW-Tanzszene zu geben. Dieses Konzept beinhaltet ein Maßnahmenpaket, mit dem durch verbesserte Förderung und strukturelle Unterstützung eine erhebliche Steigerung in Qualität und Attraktivität der Tanzszene erreicht werden soll. Es beinhaltet im Wesentlichen folgende Bausteine:

  • vorhandene Tanzzentren finanziell stärken und weitere "Mittelzentren" für Tanz unterstützen
  • Spitzenförderung von 4 Kompanien für drei Jahre
  • Gründung einer Marketing-Agentur mit Namen IDAS NRW angesiedelt am Tanzhaus NRW    
  • Einrichtung eines Förderbudgets speziell für internationalen Austausch

Ausbildung
Die Folkwang Universität der Künste in Essen ist weltweit eine der begehrtesten Ausbildungsstätten für zeitgenössischen Tanz. An der traditionsreichen Hochschule haben illustre Namen gelernt und gelehrt: Pina Bausch, Susanne Linke, Urs Dietrich, Wanda Golonka, Malou Airaudo, Henrietta Horn oder Rodolpho Leoni. In Köln befindet sich mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln eine weitere wichtige Ausbildungsstätte.

Junge Choreografinnen und Choreografen finden nach ihrer Ausbildung insbesondere im Tanzhaus NRW in Düsseldorf und bei PACT Zollverein/Choreographisches Zentrum NRW in Essen eine Heimstätte für Produktionen und künstlerischen Dialog.

Festivals und Messen
National und international ausgerichtete Festivals beleben den übergreifenden Austausch. 2013 läuft die nächste Ausgabe von tanz nrw, Tanzkunst-Festival und Vermarktungsplattform zugleich. Es zeigt jeweils eine Auswahl der interessantesten Tanzkunstproduktionen, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre in Nordrhein-Westfalen entstanden sind.

In diesem Jahr findet der "Tanzkongress" erstmals in Düsseldorf statt, als kultureller "Leuchtturm" in die Spitzenförderung der Kulturstiftung des Bundes aufgenommen. Er soll im dreijährigen Rhythmus an wechselden Orten in Deutschland stattfinden. Die erste Leuchtturm-Station ist Düsseldorf. Vom 6.-9. Juni 2013 werden das Areal um das tanzhaus nrw und das Capitol Theater zum Kongresszentrum und die Stadt zur Tanzbühne. Die Deutsche Oper am Rhein, das Düsseldorfer Schaupielhaus, das Forum Freies Theater und weitere Spielstätten flankieren den Kongress mit einem exklusiv für diesen Anlass ausgesuchten Programm, das von Ballett über Zeitgenössischen Tanz bis hin zu interaktiven Performances reicht.

Werbung für den Tanz

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Sweet Mambo, Pina Bausch; Artention 2009; © Agathe Poupeney

Das seit 1995 bestehende nrw landesbuero tanz in Köln setzt sich dafür ein, dass das künstlerische Tanzschaffen in Nordrhein-Westfalen gestärkt wird und alle Interessierten an der Vielfalt der Tanzkunst teilhaben können. Das Landesbüro bündelt Informationen über die Tanzaktivitäten in Nordrhein-Westfalen und stellt diese allen Interessierten zur Verfügung. Dabei richtet es sich sowohl an die Tanzszene, beispielsweise mit Fortbildungen, als auch an Institutionen und das Tanzpublikum, unter anderem mit dem tanzkalender nrw. Die neue Website des Landesbüros gibt einen umfassenden Überblick über das Tanzland NRW.

Den Tanzschaffenden steht das nrw landesbuero tanz beratend zur Seite und fördert durch die Organisation der internationalen tanzmesse den internationalen Austausch mit und in NRW. In der Kultur- und Bildungslandschaft unterstützt das Landesbüro mit dem Bereich Tanzvermittlung die Durchführung verschiedenster Projekte. Unter anderem führt das nrw landesbuero tanz im Rahmen des NRW Landesprogramm Kultur und Schule die Fortbildungen für TänzerInnen und Tänzer, Choreografinnen und Choreografen, Tanzpädagogeninnen und Tanzpädagogen durch.
 
Kulturelle Bildung
In den letzten Jahren haben sich künstlerische Tanzangebote in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen vervielfältigt. Deshalb hat sich aus dem Bereich "Tanz in Schulen" der Fachbereich Tanzvermittlung des nrw landebuero tanz entwickelt. Ziel der Arbeit des Fachbereichs ist es, dass zeitgenössische Tanzkunst langfristig fester Bestandteil der Bildungs- und Kulturlandschaft sowie in der Kinder- und Jugendarbeit wird. Das nrw landesbuero tanz ist Schaltstelle und Ansprechpartner für alle Interessierten. Zu den Aufgaben des Fachbereich Tanzvermittlung gehören die Initiierung individueller Projektmodelle in Bereichen wie Schulen, Jugendhilfe und Kitas, die Stärkung bestehender Netzwerke und die Schaffung von Aufführungsmöglichkeiten für Tanz von Kindern und Jugendlichen und Tanz für junges Publikum.

Im Vorwort der aktuellen Broschüre Tanz verbindet erklärt Ministerin Ute Schäfer: "Inzwischen ist Tanzvermittlung, Tanz in Schule und Jugendhilfe zu einem bundesweit viel beachteten Markenzeichen des Tanzlandes NRW geworden."

Das Festival "Tanz hoch drei" präsentiert professionelle Inszenierungen für und von Kindern und Jugendlichen. Zusätzliche Angebote während des Festivals waren Workshops von Künstlern für Kinder, Tanzclubs für Kinder und Jugendliche, Programme für Familien sowie Tanzpräsentationen an ungewöhnlichen Orten. Das Projekt Take-off, das im Rahmen des Tanzplans Deutschland initiiert wurde, ist ebenfalls eines der herausragenden Projekte im Bereich des Tanzes für und von Kindern und Jugendlichen in NRW. Es beinhaltet sowohl Tanzproduktionen mit Kindern und Jugendlichen, die gemeinsam mit professionell arbeitenden Künstlern lernen, Bühnenstücke zu entwickeln, als auch Tanzproduktionen für Kinder und Jugendliche, durch Präsentation von Bühnenaufführungen für ein junges Publikum in Form von Eigenproduktionen und Gastspielen.

Tanz als Wissenschaft 
Pina Bausch gilt als eine der wichtigsten Choreografinnen des 20. Jahrhunderts und als bedeutendste Tänzerpersönlichkeit, die Deutschland je hervorgebracht hat. Der Tod von Pina Bausch am 30. Juni 2009 bedeutet für die Geschichte des deutschen Tanztheaters einen immensen Verlust. Das Wuppertaler Tanztheater, die Pina Bausch-Stiftung, insbesondere der Sohn der Künstlerin Salomon Bausch, haben die Erarbeitung eines Archivs mit internationaler Bedeutung initiiert. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes und der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung in den Jahren 2011 bis 2013 die Sicherung und Erschließung des Pina Bausch-Nachlasses für die Öffentlichkeit. Dabei geht es zum einen um die systematische Erfassung sämtlicher Archivalien, die Konservierung und Restaurierung der vom Verfall bedrohten Materialien, um eine videobasierte Kommentierung von Werken durch Mitglieder des Tanztheater Wuppertal sowie um die Einrichtung einer Datenbank. Zum anderen geht es um die Entwicklung eines Vermittlungskonzeptes für den Nachlass. Das leitende Ziel der Vermittlung besteht in einer Öffnung des Archivs für Fachinteressierte und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland, Tänzerinnen und Tänzer sowie eine breite Öffentlichkeit von Nutzern.

Das Deutsche Tanzarchiv Köln ist neben dem Tanzarchiv Leipzig und dem Deutschen Tanzfilminstitut Bremen eine der wichtigsten deutschen Anlaufstellen für Tanzwissenschaftler in aller Welt. Neben Bibliothek, Videothek und einem Archiv mit über 200 Nachlässen von Tänzern, Choreografen, Pädagogen und Ballettkritikern verfügt das Tanzarchiv Köln über eine Sammlung von 160.000 Fotos und 117.000 Originalnegativen.