Familie und Arbeitswelt
Familien sind das Fundament unserer Gesellschaft. Das Zusammenleben mit Kindern hat in der Einstellung der Menschen einen hohen Stellenwert: Die überwiegende Mehrheit der jungen Menschen möchte eine Familie gründen. Ein Blick auf den demografischen Wandel zeigt jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen Lebenswünschen und Lebenswirklichkeit.
Bessere Rahmenbedingungen für Familien, sowohl in der Gründungsphase als auch im weiteren Lebensverlauf, sind ebenso notwendig, wie insgesamt mehr Kinderfreundlichkeit in der Gesellschaft und Wirtschafts- und Arbeitswelt. Insbesondere im Bereich der Wirtschafts- und Arbeitswelt rücken Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer stärker in den Mittelpunkt: Eltern suchen nach geeigneten Möglichkeiten, um Privat- und Berufsleben in Einklang zu bringen, und immer mehr Unternehmen bemühen sich darum bedarfsorientierte und differenzierte Lösungen für ihre Beschäftigten zu finden. Aber auch die Errichtung eines verlässlichen Betreuungsangebotes, der Ausbau der frühkindlichen Bildung, die Weiterentwicklung der Beratung und die Unterstützung von Familien sind Bausteine, um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.
Kinderbetreuung
Ein ganz wesentlicher Faktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist das Betreuungsangebot. Das seit 2007 eingeführte Elterngeld legt einen Berufsausstieg von einem Jahr bzw. 14 Monaten nahe. Betreuungsangebote für die Kinder ab diesem Alter werden mit Hochdruck ausgebaut. Grundlage hierfür ist das Kinderbildungsgesetz - KiBiz.
Der Ausbau der Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege soll vorangetrieben werden. Es geht dabei um Bildung, Sprachförderung und die Bündelung von unterschiedlichen familienorientierten Angeboten in Familienzentren. Wir wollen mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung, aber auch mehr Dienstleistungsorientierung. Das Kinderbildungsgesetz erleichtert die Möglichkeiten für Unternehmen, betrieblich unterstützte Kinderbetreuungsplätze aufzubauen. So sollen öffentliche und private Unternehmen dazu ermutigt werden, sich an der Schaffung von Kindergartenplätzen besonders bei der Unterdreijährigen stärker zu beteiligen, damit junge Paare wieder mehr Mut haben, ihre Kinderwünsche zu verwirklichen. Mit flexiblen Modellen soll zudem der Ausbau der Ganztagsbetreuung vorgetrieben werden. Über die rechtlichen und finanziellen Aspekte sowie über vielfältige Umsetzungsbeispiele informiert die Broschüre "Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung". Sie gibt einen Überblick über verschiedene Modelle betrieblich unterstützter Kinderbetreuung, stellt gute Beispiele aus der Praxis vor und bietet einen ausführlichen Serviceteil mit vielen Anregungen und Hilfen.
Das Bundesfamilienministerium hat darüber hinaus ein Programm ins Leben gerufen hat, mit dem betrieblich unterstützte Kinderbetreuungsangebote gefördert werden können. Die Finanzierung des Programms erfolgt über den Europäischen Sozialfonds. Hintergrund ist, dass sich die Europäische Union seit geraumer Zeit verstärkt mit dem demografischen Wandel und seinen Folgen auseinandersetzt. Als ein Ergebnis werden die Mittel der Strukturfonds, also des Europäischen Sozialfonds und des Europäischen Regionalfonds, zukünftig verstärkt zur Förderung der Chancengleichheit und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eingesetzt (www.erfolgsfaktor-familie.de).
Familienfreundliches Engagement von Unternehmen
In den letzten Jahren haben sich immer mehr Unternehmen für mehr Familienfreundlichkeit engagiert. Dies zeigt, dass die unternehmerische Interessenlage keineswegs im Widerspruch zur Vereinbarkeitsthematik stehen muss, da die Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterbindung und Motivation deutlich steigt. Mittel- und langfristig wird zudem aufgrund des demografischen Wandels der Fachkräftemangel ein wichtiges Thema bleiben. Gerade klein- und mittelständische Unternehmen werden hiervon besonders betroffen sein, eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie steigert ihre Attraktivität als Unternehmen. Maßnahmen reichen dabei von familienfreundlicher Arbeitszeitgestaltung bis zu Online-Telearbeitsplätzen, von der Vermittlung qualifizierter Tagesmütter bis zur Gewährung von Familiendarlehen, von der Fortbildung für Väter und Mütter während der "Elternzeit" bis hin zu kreativen Vertretungs-Regelungen im Team. Es gibt mittlerweile schon einige Unternehmen, die nicht nur auf Bitten der Beschäftigten reagieren, sondern selbst aktiv dazu beitragen, dass ihre Beschäftigten eine Balance zwischen Privat- und Berufsleben herstellen können. Viele dieser Unternehmen haben sich bereits ihre familienfreundliche Unternehmenspolitik durch die "berufundfamilie gGmbH" (www.beruf-und-familie.de) - eine Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung - zertifizieren bzw. auditieren lassen und/ oder haben sich dem Bundesnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie"(www.erfolgsfaktor-familie.de) angeschlossen
Wettbewerb "familie@unternehmen.NRW" im Rahmen des Ziel-2-Programms des Landes Nordrhein-Westfalen
Mit der Durchführung von zwei Durchgängen (Calls) im Wettbewerb familie@unter¬nehmen.NRW wurden die besten Ideen zur erfolgreichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Unternehmen unterstützt. Mit dem Wettbewerb wurden neue und innovative Ansätze zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgezeichnet und deren Umsetzung gefördert.
Der im Jahr 2008 durchgeführte 1. Call des Wettbewerbs "familie@unternehmen.NRW" war sehr erfolgreich: Es wurden 67 Projektskizzen mit einem Investitionsvolumen von gut 20 Millionen Euro eingereicht. Die Jury entschied sich für 19 Konzepte. Diese werden über eine Projektlaufzeit von durchschnittlich zwei Jahren bis Ende 2010 mit 55% der Projektkosten gefördert. Das Gesamtvolumen einschließlich der Eigenmittel beträgt 5 Mio. Euro. Die ausgewählten Projekte zielen vor allem darauf ab, berufstätige Mütter auch während und nach der Elternzeit zu unterstützen, die betriebliche Kinderbetreuung zu stärken, eine aktive Vaterschaft zu fördern, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu ermöglichen.
Der Schwung, den die erste Runde des Wettbewerbs ausgelöst hat, wurde für einen 2. Call genutzt. So erging am 22. Juni 2009 ein erneuter Aufruf, bei dem neu war, dass sich neben Unternehmen auch Hochschulen, Fachhochschulen und Kommunen bewerben konnten. Bis zur Bewerbungsfrist am 15.10.2009 gingen 30 Projektskizzen mit einem Investitionsvolumen von gut 5,7 Millionen Euro. Die Jury hat Ende Januar 2010 über die Projektanträge beraten und sich für weitere 20 Konzepte entschieden. Ihre Umsetzung beginnt in Kürze. Das Gesamtfördervolumen (mit Eigenmitteln) wird ca. 3 Mio. Euro betragen, die Förderquote liegt im 2. Call bei 50%.
Ergänzend zu den Projekten des 1. Calls wurden Projekte ausgewählt, die sich mit speziellen Themenbereichen beschäftigen. So werden beispielsweise Gründerinnen in Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt, spezifische Branchen mit zumeist Niedrigqualifizierten betrachtet, das Gesamtangebot einer Stadt und das einer ländlichen Region unter Vereinbarkeitsgesichtpunkten neu ausgerichtet, haushaltsnahe Dienstleistungen für Familien durch Studenten(-innen) angeboten und Integration in Sinne von Diversity in einem Unternehmen vorangetrieben.
Aktionsplattform "familie@beruf.NRW"
Die Aktionsplattform "familie@beruf.NRW" ist die Drehscheibe für neue Ansätze und Ideen im Bereich "Vereinbarkeit von Beruf und Familie". Die Aktionsplattform bildet dabei ein Dach für die zahlreichen angestoßenen Aktivitäten des Landes, der Wirtschaftsverbände, der Arbeitsagenturen, der Gewerkschaften und der Unternehmen und bündelt diese. Bereits erprobte Konzepte in Projekten sollen verbreitert und ein umfassender Austausch zwischen den Akteurinnen und Akteuren organisiert werden. Im einzelnen geht es darum, berufstätige Mütter auch während und nach der Elternzeit zu unterstützen, die betriebliche Kinderbetreuung zu stärken, eine aktive Vaterschaft zu fördern, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu ermöglichen sowie mit haushaltsnahen Dienstleistungen Familien zu unterstützen. Ziel dabei ist, die Nachhaltigkeit der einzelnen Aktivitäten und Projekte zu sichern, indem ein systematischer Transfer von Projektergebnissen organisiert wird, so dass mehr Unternehmen und Akteurinnen und Akteure von den Erfahrungen profitieren können. Außerdem wird angestrebt, kontinuierlich neue Interessierte zu gewinnen, um eine Verbreiterung und Verstetigung des Themas "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" zu erreichen.
Angesprochen sind nicht nur Unternehmen, sondern alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in NRW, also auch Hochschulen, Kommunen und andere Institutionen. Ein Schwerpunkt soll dabei insbesondere auch bei den Hochschulen gesetzt werden, um die Vereinbarkeit von Familienarbeit und Hochschultätigkeit für Studierende, Lehrende und Beschäftigte nachhaltig zu verbessern. Die Plattform arbeitet eng mit dem Bundesprogramm Erfolgsfaktor Familie (www.erfolgsfaktor-familie.de) zusammenarbeiten. Ebenso kooperiert sie mit den Lokalen Bündnisse für Familie (www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de) und der berufundfamilie gGmbH (www.beruf-und-familie.de). Des Weiteren arbeitet sie eng mit den Wirtschaftsverbänden, den Arbeitsagenturen, den Gewerkschaften sowie weiteren Instituten, Akteurinnen und Akteuren im Bereich "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" zusammen.
Die Aktionsplattform hat konkret folgende Ziele:
- Mehr Aufmerksamkeit für das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Sinne der "Work-Life-Balance" in Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Gesellschaft,
- Best-Practice nutzen, Erfahrungsaustausch und Know-how-Transfers für Unternehmen, Akteurinnen und Akteure im Bereich "Vereinbarkeit von Beruf und Familie",
- Expertenwissen aktivieren zur (Weiter-)Entwicklung von flexiblen betrieblichen Lösungsansätzen im Sinne eines Laboratoriums für erfolgversprechende Umsetzungsprojekte,
- Sicherung der Nachhaltigkeit der Gewinnerprojekte des Wettbewerb "familie@unternehmen.NRW" und anderer Einzelprojekte,
- Aktivierung von Expertenwissen für die Arbeit des Ministeriums,
- Zusammenarbeit mit bundesweiten Initiativen und den Lokalen Bündnissen für Familie sowie den Wirtschaftsverbänden, Arbeitsagenturen, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften,
- Ausschöpfen des Fachkräftepotentials durch intelligente Vereinbarkeitskonzepte vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.
Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen hat eine Geschäfts- und Servicestelle bei der Prognos AG eingerichtet. Informationen erhalten Sie unter www.familieundberuf.nrw.de. Anfragen richten Sie bitte an: familie@beruf.nrw.de oder Telefon: 0211/887-3166.
Am 17. Oktober fand der Aktionstag Familie@Beruf.NRW statt.
Dokumentation und Bildergalerie finden Sie hier
